Ein Museum der Originale

Die zehn Schauräume des StiftsMuseums sind über drei Etagen verteilt. Der Rundgang durch die Räume ist sowohl thematisch als auch chronologisch geordnet. Die Besucher starten in den alten Gewölbekellern, steigen dann auf ins Erdgeschoss und in die erste Etage.

Im Vordergrund der Sammlungs-Präsentation steht immer das Original. Die kostbaren Exponate werden in Vitrinen rundum sichtbar präsentiert. Eine sensible Lichtregie inszeniert die Ausstellungsräume zu einem stillen und stellenweise geheimnisvollen Erlebnisort.

Ein System von Aufzügen ermöglicht den barrierefreien Zugang zu neun von zehn Räumen.


Raum 1

Blick zu den Anfängen

Für das Verständnis der Geschichte des Viktorstifts Xanten und des Doms lohnt sich ein Blick in die frühe Geschichte dieses Ortes. Dieser Zeitraum reicht von der römischen Epoche des später Xanten genannten Ortes bis ins 11. Jahrhundert. Römische Kaisermünzen, Götterfiguren aus Bronze, Weihesteine und fränkische Grabbeigaben treten hier als Zeitzeugen auf. Eine Besonderheit ist der begehbare Schmuckfußboden aus der Stiftskirche. Architekturmodelle von der ersten bescheidenen Gedächtnisstätte bis zur ottonischen Basilika demonstrieren die außerordentliche Bauentwicklung am verehrten Ort.

Raum 2

Megaprojekt Stiftskirche

Der Bau des Xantener Doms war aus heutiger Sicht und erst recht für mittelalterliche Verhältnisse ein Mega-Projekt. Fast 300 Jahre zogen sich die Bauarbeiten an der imposanten gotischen Kirche hin: von 1263 bis Mitte des 16. Jahrhunderts. Die Kosten waren immens. Dank der im StiftsArchiv aufbewahrten Akten und Urkunden kann man heute viele Einzelheiten über das komplexe Management des Kirchenbaus nachvollziehen. Bauhandwerkszeug und Steinproben veranschaulichen die Arbeit der Bauhandwerker jener Zeit.

Raum 3

Rätselhafte Reliquiare

Aus der Zeit des Xantener Viktorstifts sind viele kostbare Reliquiare erhalten. Die kunstvoll gestalteten Kästchen wurden vor allem zur Aufbewahrung von Knochen verehrter Heiliger benutzt. Der Glaube an ihre Wirkmacht führte dazu, dass sie wie die Heiligen selbst verehrt wurden. Einzigartig sind das im Rheinland geschaffene ovale Kästchen aus der Zeit um 1200 und ein Exemplar aus der Werkstatt der Venezianer Künstlerfamilie Embriachi (um 1400). Die tatsächliche Geschichte vieler Reliquiare ist vielfach nicht komplett nachzuzeichnen. Das macht sie zu rätselhaften und erstaunlichen kleinen Kunstwerken.

Raum 4

Die Geschichte des Stifts

Die Porträts Xantener Stiftsherren rücken einige der Akteure ins Blickfeld, denen wir den einzigartigen Kosmos aus Stift, Dom, Archiv und Bibliothek zu verdanken haben. Zu sehen sind originale Gemälde und seltene graphische Blätter. Wichtige Archivstücke wie Stiftssiegel, Statutenbuch und Geschäftsakten geben einen Eindruck vom Aufwand der Stiftsverwaltung. Ein Fenster erlaubt den Blick in den Kreuzgang und stellt so einen Bezug zum historischen Außenraum her. Im Vortragssaal zeigt ein etwa 20 Minuten langer dokumentarischer Spielfilm auf unterhaltsame Weise Episoden aus der Stiftsgeschichte.

Raum 5

Heiligenversammlung

Die zumeist spätmittelalterlichen Heiligenfiguren folgen einer vorwiegend chronologischen Einzelaufstellung. Sie beginnt mit der beseelt lächelnden Kölner Madonna (um 1330/40). Als zusammengehöriges Ensemble aufgebaut sind die fünf spätmittelalterlichen Skulpturen und Reliefs sowie das barocke Altargemälde des ehemaligen Johannesaltares aus der Xantener Stiftskirche. Die dazugehörige Johannesschüssel bekam einen Sonderplatz.

Raum 6

Strahlende Geheimnisse des Glaubens

Im katholischen Gottesdienst verwendete Geräte und textiler Raumschmuck werden hier ähnlich ihres Gebrauchs in der Kirche gemeinsam präsentiert. Herzstück ist die Inszenierung eines Altars aus Bildrückwand und Vitrinentisch. Diese Zusammenschau der teils kostbaren Einzelstücke macht die bis heute zentrale Bedeutung der Eucharistiefeier (Abendmahl, Kommunion, Danksagung) in der katholischen Kirche deutlich. In fünf Hochvitrinen sind die wertvollsten Exponate einzeln ausgestellt - darunter eine ausgezeichnet erhaltene Turmmonstranz, ein Hostienkelch (Ziborium) und ein Tragaltar. 

Raum 7

Paramente: Kunstvolle Amtstrachten

Das StiftsMuseum Xanten verfügt über eine bedeutsame Sammlung von Paramenten. Den kunstvoll gearbeiteten liturgischen Kleidungsstücken und Stoffen sind zwei Schauräume gewidmet. Im ersten Raum werden mittelalterliche Objekte bis 1520/30 gezeigt. Glanzstück – und zugleich das älteste Stück der Sammlung - ist das Messgewand (Kasel) des hl. Bernhard von Clairvaux (Byzanz, um 1100). Es ist nahezu perfekt erhalten. Als Ensembles präsentieren sich die „Rote Kapelle“ und die „Goldene Kapelle“. Eine Wandmalerei und ein Ölbild zeigen, wie Paramente getragen wurden.

Raum 8

Paramente: Schnittmuster, Formen und Farben

Der zweite Raum zeigt Textilien aus der Zeit von 1540 bis 1780. Hier stehen die unterschiedlichen Stoffmuster und -qualitäten im Mittelpunkt. Fast alle Vitrinen sind rundum einsehbar und geben den Blick auf Vorder- sowie Rückseiten der Liturgiegewänder frei. Anhand von kunstvoll gestalteten Taschen (Bursen) für den liturgischen Gebrauch wird die Bedeutung der Farben im Kontext der katholischen Gottesdienste erläutert. Historische Kupferstiche, Radierungen und Lithographien illustrieren den aufwändigen Herstellungsprozess des kunstvollen Materials.

Raum 9

Historischer Bilderbogen

Zum Konzept des StiftsMuseums Xanten gehört die Einbindung der Stiftsgeschichte in größere historische Zusammenhänge. In diesem Raum befinden sich zahlreiche Zeugnisse, die über die Landesgeschichte hinausgehen - von der Urkunde des Erzbischofs von Köln zur Stadterhebung Xantens (1228) bis zum Kupferstich mit der Darstellung Napoleons im Krönungsornat (um 1830). Graphische Blätter mit Darstellungen historischer Ereignisse und Porträts formen zusammen mit Urkunden, Akten, Münzen und Medaillen einen Bilderbogen der Zeit vom 13. bis ins frühe 19. Jahrhundert.

Raum 10

Von der Handschrift zum Buchdruck

Zu den Herzstücken der Sammlung des StiftsMuseums Xanten gehören prächtige Hand- und Druckschriften aus dem 12. bis 18. Jahrhundert - darunter eine Bibel (um 1130/50) mit handschriftlichen Zeichen und Notizen, ein Messbuch mit feinsten Miniaturen (um 1430/40) und ein Exemplar der Weltchronik des Hartmann Schedel (1493). Aspekte der Buchherstellung werden nachvollziehbar. Zu sehen sind außerdem Portraitgemälde und Schriften einiger Stiftsherren. Dem Prominentesten unter ihnen, dem Heiligen Norbert von Xanten, ist ein eigener Bereich gewidmet.